zurück  20.07.2019 Leserbrief FN
„Wir wollen wieder Gleichbehandlung“


LESERBRIEF ZU „MINISTER FORDERT VERKEHRSWENDE“ (FN, 9. JULI)

Schon erstaunlich, was derzeit in Sachen Bahnpolitik zu hören ist: Reaktivierung stillgelegter Strecken – neue Tunnel zur Fahrtverkürzung – Bau von früher geplanten, nie realisierten Linien.

All das, um Privatverkehr zu reduzieren, mehr Menschen zum ÖPNV zu bringen. Verkehrsminister Winfried Hermann sagte kürzlich auf einer Verkehrswende-Tagung in Leonberg: „Wir müssen deutlich mehr tun, um die Klimaschutzziele zu erreichen, gerade auch im ländlichen Raum“ (FN, 9. Juli).

Das gilt auch für uns an der Bahnstrecke Osterburken-Lauda-Würzburg. Da dürfte das Deutlich-mehr-Tun keine Frage sein: Stundentakt für die Regionalbahn an allen Tagen – Halt an allen Stationen. Hier brauchen keine Strecken reaktiviert werden, „nur“ einige stillgelegte Stationen.

Der Abschnitt Osterburken-Lauda ist seit 1873 zweigleisig, der Abschnitt Lauda-Würzburg seit 1888. Die ganze Odenwaldlinie Heidelberg-Würzburg ist seit 1975 voll elektrifiziert und wurde bis 1985 an allen Stationen bedient.

Eine fehlorientierte Verkehrspolitik dünnte Zugpaare aus, modernisierte weder Wagen noch Angebot, ließ dann „wegen geringer Nachfrage“ 1985 neun Bahnhöfe zwischen Osterburken-Lauda schließen.

Die Noch-Bahnfahrer wurden zum Bus „gezwungen“ – mit dem Ergebnis, dass die meisten gleich ganz zum Auto wechselten. Wie hieß es auf der Tagung in Leonberg: Im Südwesten werden in ländlichen Räumen nur zwölf Prozent aller Kilometer mit dem ÖPNV zurückgelegt, aber 84 Prozent mit dem Auto.

Inzwischen wettleuchtet der sogenannte Klima-Notstand. Die Bahn erlebte teilweise eine unglaubliche Renaissance. So fährt die S-Bahn, oft sogar halbstündlich, von der französischen Grenze über Mannheim/Heidelberg bis Mosbach und Osterburken. Ja, auch im ländlichen Raum, aber nur bis Osterburken.

Dann folgt Osterburken-Lauda, die Transitstrecke à la DDR-Zone, danach Lauda-Würzburg, Regionalbahn mit Halt an allen Stationen. Die moderne RB ist allen Bahngemeinden zu gönnen, so auch dem 450-Einwohner-Dorf Zimmern. Aber warum hält sie nicht auch in den 1000er-Gemeinden Schweigern und Schüpfer Grund? Fehlt das Interesse, die Nachfrage?

Die Bahn hat Bahnsteige abrasiert, Gleise und Weichen rausgerissen. Der Landtagsabgeordnete unseres Kreises schaut seit 25 Jahren zu – oder weg. Minister Hermann kann nichts für diese Schrottpolitik. Aber seit 2011 ist er in Amt und Verantwortung.

So bitten, wünschen, fordern wir von ihm, dass er, gerade als grüner, dem Klimaschutz verpflichteter Politiker, gegensteuert.

Dauerhafte Verkehrswende im Raum Osterburken-Lauda: Moderne Züge für alle Bahngemeinden. Es muss keine S-Bahn sein. Aber dann ist RB angesagt, ist überfällig.

Die anlaufende RB im Probetrieb ist ein guter erster Schritt. Nach drei Jahren muss sie dauerhaft werden. Sieben Tagen die Woche. Mit Reaktivierung toter Haltestellen. Bahnsteig-Neubauten. Antaktung aller Nebenorte. RB-Züge wie an allen Stationen zwischen Heilbronn-Osterburken und Lauda-Würzburg. Wir wollen endlich wieder Gleichbehandlung.



© Fränkische Nachrichten, Samstag, 20.07.2019, Autor: Dr. Dieter Thoma zurück

Leserbrief vom 20.7.19 FN

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